Traum oder auch Leben?

Samstag, 24. November 2018, 21:39

Es war an einem Wochenende hier in Wien. Sicher bereits in diesem Sommer. Zumindest gehe ich davon aus, eigentlich kann ich es nicht mit Bestimmtheit sagen.

Wir hatten schweren Regen über dem Haus, Fluten stürzten aus blauem Himmel unvermittelt in den Lichthof. Kalkig weiß glühte die Feuerwand gegenüber für einen kaum wahrnehmbaren Augenblick im einzigen Blitz dieses Gewitters auf. Um dann ohne Übergang hinter den grauen Regenwalzen, die der Sturm in den Hof presste, zu verschwinden.

All das geschah völlig lautlos.

Wie im Traume, wenn sich im Großen Theater der Nacht und des Schlafes die Wesen des Somnambulen, Verdrängten, Gemiedenen, Verachteten - und deshalb umso mehr Gefürchteten - auf der weiten Bühne des Unbewussten treffen. Bewacht vom kleinen Bären und Polaris, dem eisigen Leuchtturm des Nordens, ewig weit in der toten Kälte des Weltalls verbannt. Beide Hüter und Verführer zugleich. Wieviele Schiffe zerschellten an Küsten und Schären, weil sich Bär und Stern ein kurzweiliges Fangenspiel im unendlichen Nichts schenkten. Irres Jagen und Lichtern, lautlos über dem nachtschwarzen, tosenden Meer. Und Lotsen, die dem Steuermann ins Ruder fielen. Zu spät für Schiff und Mann und Kapitän.

Ich blickte auf meinen Schreibtisch. Hin zu drei schwarzen, ebenmäßig geformten Basaltbrocken, wie geformt in Glut von unsichtbarer Titanenhand. Matt leuchteten Schriftzüge und Initialien, die mir nichts sagten und noch weniger bedeuteten.

F3, XD, FA - Buchstaben und Ziffern ohne Sinn und Erinnerung. Und doch war mir, als hätten sie für mich einmal Bedeutung gehabt. Nur wusste ich nicht wann, wo und warum.

Bilder der großen Handelsrouten erschienen mir, Tokio - Moskau - Wien, auch Seattle - New York - Paris. Elektronisch übermittelte Kaufgesuche und Geldtransfers, Käufer und Verkäufer aus aller Welt. Hektische Kabel quer über den Globus. Ein Name war mir zugeordnet und ein Kennwort, um mich in den großen, nicht realen Marktplatz einzuschalten. Bunte Sterne und Feedbacks auf einem Bildschirm, Preise und Sendungsnummern. Ich sah das alles und verstand nichts.

Gleichgültig räumte ich die schwarzen stummen Brocken von meinem Schreibtisch und übergab sie am nächsten Tage meinem kleinen Neffen. Vielleicht findet er Gefallen daran. Für mich haben die Stücke keinerlei Bedeutung. Wie kamen sie überhaupt auf meinen Tisch?

Und doch kann ich die Sache nicht vergessen. Da ist was, was war und dennoch ist.

Seltsam - ein Traum? Oder doch aus meinem Leben?