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L?

Auch wenn es dann und wann danebengeht

Mittwoch, 18. April 2018, 17:14

Zurück nach einem längeren Gang durch die Stadt, dort, wo die Reichen ihre Häuser und Villen haben, hoch oben mit Fernblick. Frühling ist und die Bäume blühen weiß, rosa. Grün in allen Schattierungen, blaublauer Himmel und alles voll Licht. Ich bot den Ektar auf um möglichst viel von dieser flutenden, gleißenden Pracht mitzunehmen.

Die OM-4 Ti auf ihrem Motor, Hebel, Knöpfe, keine Blendeneinspiegelung im Sucher, dazu der Blendenring vorne am Objektiv, die Abblendtaste versteckt und schwer zu betätigen, muckt der Motor auch nicht, dreht sich die Aufwickelspule beim Transport, passt die Belichtung? Es gibt einiges zu tun „analog“. Mit der EOS-1 hätte ich nur durch den Sucher geblickt und die Mehrfeldmessung machen lassen, nachdem ich den Autofokus gesetzt hatte. Etwaige Defizite bei der Belichtung hätte ich später im Raw-Konverter mühelos korrigiert.

Filmwechsel. Und verdammt, wieder nicht aufgepasst beim Filmeinzug per Motor! Denn nach dem Schließen der Rückwand transportiert der Motor den Film automatisch auf Bild 1. Dazu sollte aber die Kamera tunlichst auf M gestellt sein bei 1/1000el Sekunde. Und die Hand vors Objektiv gehalten, damit keine Bilder aufgenommen werden am Vorspann, das irritiert dann beim Schneiden des entwickelten Films. Mit Zeitautomatik hat der automatische Einzug nicht geklappt, Verwirrung, wo steht der Bildzähler jetzt, ist der Film überhaupt eingezogen? Statt ruhig zu bleiben drücke ich den Auslöser am Motor, spule den Film mit dem Motor zurück, möchte nochmals starten, öffne die Rückwand, aber der Film ist schon zu weit aus der Spule gezogen, die Rückspulung funktionierte nicht wie erwartet. Ich hole den Film aus der Kamera, fluche hässlich und reiße den Filmstreifen voll Wut aus der Patrone, beide werfe ich in den Abfalleimer. Sinnlos Geld vernichtet denke ich, und Film ist nichts für Unkonzentrierte, Risiko ist immer dabei.

Ja, „analog“ macht es mehr Spaß, auch wenn es dann und wann danebengeht,

Das eine das nicht das andere ist

Dienstag, 17. April 2018, 20:08

Unlängst wieder zum Fotografieren durch den Bezirk. Mir ist es inzwischen schon egal - meiner Frau weniger - wo wir unterwegs sind, ich finde meine Motive mittlerweile überall oder auch nicht.

Die schwere digitale EOS-1, inzwischen auch schon ein Klassiker mit ihren zehn Jahren, kam mit. Die Einser sind allesamt in die Hand gebaut, das Arbeiten damit schlichte Freude. Es finden sich Motive, klack-klack, RAWs auf die Speicherkarte, Spaß beim Anfertigen genauso als wenn Film eingelegt gewesen wäre. Auch digital drücke ich nur ab wenn unbedingt nötig.

Zu Hause schnell zum PC und nach Standardablauf ausgearbeitet, die Ergebnisse einwandfrei. Ablegen, fertig. Ich bin’s zufrieden. Kein Anflug von digitaler Öde, die Fotos müssen ja überlegt im RAW-Konverter und Photoshop hergerichtet werden. Auch das ist qualifizierte Arbeit.

Drei Meter weiter steht der Filmomat, abgedeckt. Daneben, in Kartonschachteln, das Zubehör und die angesetzte C-41-Chemie. Alles einsatzbereit. Ich hätte ebenso die OM-4 Ti heute mitnehmen können. Nur mehr Zeit wäre bis zum fertigen Bild vergangen.

Warum also in zwei Welten parallel unterwegs? Ist das unvernünftig? Sinnvoll? Etwa eine Glaubensfrage?

Weder noch. Ich freue mich über beide Zugänge und bleibe unvoreingenommen. Heute war es digital morgen ist es hybrid.

Ein Portra, der bisweilen zurechtgeritten werden muss bis die Farben stimmen, ist eine eigene Aufgabe. Filme entwickeln eine andere. Das Scannen eine dritte. Jede erfordert Konzentration, Wissen, Handwerk und Erfahrung. Das macht Spaß weil herausfordernd.

Eine RAW-Datei ist vermutlich nur eine Ansammlung unterschiedlicher elektrischer Spannungen auf einem elektronischen Speichermedium, so ganz hab ich das nie verstanden. Auch dieses - vorgebliche - Nichts muss mit Kompetenz zu einem Bild gemacht werden, das zufriedenstellt.

Hier enden für mich alle Glaubenskriege. Das eine ist nicht das andere und beide stehen sich daher nicht im Weg. Nur in einer Hinsicht bietet mir Film - Color, hybrid - mehr: Da er aufwändiger zu einem Bild zu bringen ist, muss ich mich intensiver mit ihm beschäftigen. Und das geschieht in Grenzen, die der Film mitbringt. Er hat Format - und damit kann ich meine Ergebnisse zu einem gewissen Grad vorherbestimmen. Und diese Ergebnisse in einem großen und traditionsreichen Rahmen einordnen. Digital lässt hingegen alles offen.

Das weiß auch meine Frau und daher dürfen PC und Filmomat im gemeinsamen Haushalt sein.